Kapelle

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In einer Zeit, in der es vielen von uns nicht so gut ging, haben wir zusammenhalten müssen. Das war in den Jahren 1972-1980. Damals gab es den Jugendclub „ Lucky's Haus “, der für viele mehr als eine Heimat wurde. Das war auch die Zeit in der wir Freunde wurden. Freunde, die nicht mehr auseinander gehen wollten.

Wir gründeten 1984 das Selbsthilfeprojekt „Kellerladen e.V.“. Eine Aufgabe, die wir uns selber stellten, war, Hilfsgütertransporte in Not leidende Länder zu fahren. Wir fuhren Transporte nach Polen, nach Kroatien und in die Ukraine. Was sich in unserem Leben und auf diesen Fahrten abspielte, davon berichten die Steine in unserer Kapelle.


                                 

                           


Die Idee, mitten im Wohnviertel eine Kapelle zu bauen, entstand nach einem schweren Autounfall auf der Rückfahrt gemeinsamer Ferien. Aus Dank an Gott, der uns die ganzen Jahre gütig begleitet hat, der uns vor Unfällen auf den Transporten beschützt hat, beschlossen wir, eine Kapelle zu bauen. Diese Kapelle wurde mit eigenen Händen gebaut, jeder packte mit an.

In das Mauerwerk bauten wir ein Stück Berliner Mauer ein, das von uns in den Tagen der Wende abgeschlagen wurde. An der Vorderseite der Kapelle ragt ein Stein hervor, diesen Stein haben wir aus den Trümmern der Dresdner Frauenkirche mitgenommen. Als wir in den neunziger Jahren zu einem Behindertenheim nach Mukacewo (Ukraine) fuhren, nahmen wir auch dort einen Stein mit. Er ist rechts unten im Mauerwerk eingefügt. In der Apside ist ein kleiner Stein aus Israel zu sehen, den eine Pilgerin vom Berg Zion für unsere Kapelle mitbrachte.

Nach Anbau der Apside  bekam die Kapelle auch einen Altar.
Der Altarstein ist ein Findling aus dem Bergdorf Lipowez (Ukraine). 

Der KZ-Insasse am Eingang der Kapelle ist auf einem Holzbrett  aus Lubawka (Polen) gemalt. Der Stein und der Stacheldraht im Bild sind Originalstücke aus dem KZ Auschwitz. Das eindrucksvolle Holzkreuz und ebenfalls die Pieta im Bildstock sind Geschenke aus Nowa Huta bei Krakau.

Wir nannten sie Friedenskapelle. Als der Altar benediciert werden sollte, musste die Kapelle nach alter kirchlicher Tradition einem Heiligen geweiht werden. Die Karmelitinnen gaben ihr den guten Namen „ Edith Stein“
und eine Reliquie in Form von Kleidungsstücken.

Edith Stein hat eine Zeit lang im Kölner Karmel als Ordensfrau gelebt.
Als konvertierte Jüdin ist sie von Echt in Holland aus 1942 nach Auschwitz deportiert worden, wo sie, aller Wahrscheinlichkeit nach, noch am Tag ihrer Ankunft vergast worden ist.

Nun heißt die Kapelle „ Edith Stein Kapelle vom Frieden“.

 

Br. Lukas

 


 


 

 

 

 





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